Der Stein der Weisen, der Fahnenflüchtige und Wodka auf der Polizeistation

Station 4 – Irkutsk, Listvyanka und der Baikal See

Die Zugfahrt von Novosibirsk nach Irkutsk war meist recht angenehm, die ersten 26 Stunden waren wir mit nur einem anderen Typen im Abteil, der nicht stank aber doch einen recht unfreundlichen und distanzierten Gesichtsausdruck uns gab und hin und wieder im Liegen während dem Schlafen von dem Geselchten im Plastikpackl abbiss. Bis dann während der Nacht ein 4 Typ ins Abteil kam, und Manuel dazu brachte wirres Zeug im Halbschlaf zu reden 😃 Außerdem hörte er extrem laut Musik und schnarchte mehr als alle anderen die wir bisher sahen und hörten.

Wir verbrachten die Zugfahrt mit unserem neuem, deutschen Freund, Rainer. Ein frisch Pensionierter IT Manager, lebensfroh und guter Laune und immer an unserer Seite. Wir sind auch jetzt stetig in Kontakt und informieren uns über Geschehenes, er reist jedoch über die Mongolei nach China weiter.

Angekommen in Irkutsk hellte der Sonnenschein die etwas angeschlagene Stimmung auf, und wir konnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen was uns erwarten würde.

Erst mal ab ins Hotel welches wir im Zug bereits identifizierten und ein paar Stunden schlafen war angesagt. Danach mal wieder die Schmutzwäsche im Waschbecken waschen, in der Dusche ausdrücken und an einer im Zimmer gespannten Leine aufhängen.

Am frühen Nachmittag meldete sich der Hunger. In einer wunderschönen und sehr belebten Fußgängerzone bei herrlichem Wetter holten wir uns dann typisch-russisches Essen. Vollgegessen machten wir einen Lokalaugenschein rund um unser Hotel und entlang dem nahegelegenen Fluss Angara, welcher einen großen Zufluss zum Baikal-See darstellt. Entlang des Flusses führt ein Breiter Gehweg mit einigen Sehenswürdigkeiten.

Zum Tagesabschluss wurden noch ein paar Bier in der Fußgängerzone vergattert. Da Patrick etwas Halsweh und ein paar Erkältungssymptome hatte kauften wir noch einen Flasche Medizin, gingen ins Hotel zurück und telefonierten noch mit unseren Liebsten.

Der nächste Tag startete erst wieder zu Mittag, da die Medizin wirkte 😉 Doch Irkutsk zeigte sich von seiner vollen Schönheit. Bei sehr heißem Wetter wurden die restlichen Sehenswürdigkeiten, Monumente und Parks erkundet. Der Großteil davon liegt in einem ziemlich kleinen Umkreis, sodass mit einer Tagesroute von 20km die Innenstadt besichtigt wurde. Irkutsk hat einige mongolischen Einschläge in der Architektur und auch viele Menschen tendieren in diese Richtung.  Auch Irkutsk hat wie bereits die zuvor besichtigten Städte einige Kirchen und religiöse Plätze. Nach dem Duschen im Hotel bewegten wir uns wieder in die Fußgängerzone, wo übrigens auch abends „der Bär steppt“. Nach ein paar Nachtaufnahmen wurden im Irish-Pub während eines Live-Konzerts noch die vom letzten Tag übriggebliebenen Keime in Patricks Körper mittels Kräuterlikör unschädlich gemacht.

Am nächsten „Morgen“ schlug es uns in andere Stadtteile der Stadt. Der Weg entlang einiger Gossen wird lange in Erinnerung bleiben; Wie sich zeigte wurden Straßen erst deutlich nach dem Erbau der heimischen Holzhäuser errichtet. Ersichtlich macht sich dies, ähnlich, jedoch deutlich offensichtlicher, wie bei der Wiener Oper am Ring. Die Häuser versinken anschaulich im Schlund der Stadt, sodass Fenster bis zur Hälfte unter der Straße liegen.

In Russland wird das Erdgeschoss generell als 1. Stock bezeichnet – ob es wohl damit zu tun hat?

Wunderschöne Parks, Springbrunnen und diverse Denkmäler zierten den Weg zu der Promenade am anderen Ende der Stadt. Die Brücke über die Straße in Richtung Stadt führt direkt zum Kriegerdenkmal, welches, wahrscheinlich der Maifeier wegen noch immer mit Blumen und Kränzen geschmückt war.

Stunden voller Eindrücke war es Zeit den Tag ausklingen zu lassen. Bei guten russischen Speisen und einigen Bier entspannten wir abermals in einem Restaurant in der Fußgängerzone um die Ecke unseres Hotels in der lauwarmen Abenddämmerung. Am Heimweg wurden dann noch ein paar Monumente erklommen, wie z.B. das RATHsky Monument der Städtischen Feuerwehr.

Der Tag danach – „Der See ruft“ – ab nach Listvyanka am Baikalsee!

Anders als erwartet ging es nicht mit einem VW Prolo Golf, sondern mit einem Fiat Ducato Minibus vom Busbahnhof Irkutsk an den See. Die 70 km waren schweißtreibend. Nach dem Motto: Es gibt nua a Gas: Fuigas! fuhr der Fahrer die teilweisen Sandstraßen entlang. Metertiefe Löcher renkten die Wirbelsäule aus, die nächste Kurve wieder ein. Ein spaßiger Horrortrip, wenn man so mag.

Angekommen stiegen wir durchgeschwitzt aus, atmeten einmal tief durch und erhoben unsere Köpfe in Richtung See. In einem Wort: WOW. Hitze, Sonnenschein, kristallklares Wasser, unendliche Weiten und besoffene Jugendliche die gerade aus einer Flasche Wodka nippten. Was? Das ist doch in Russland verboten, und auch überall eingehalten wo wir bisher waren. Dies sollte sich bei diesem Aufenthalt noch anders erweisen.

Ab in ein Hotel – „Dream of Baikal“ war der Name. Ich denke kein anderer Name würde unseren Aufenthalt anders beschreiben, aber das konnten wir zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht wissen.

Das Zeug reingeschmissen, auf das Waschen verzichtet und gleich wieder raus, rein in das beginnende Abenteuer. Erst mal einen Spieß, und was für ein Zufall, die Bedienung war aus Tadschikistan 🙂 Er sagte zwar TSATSIKISTAN, jedoch glaubten wir nicht dass er einem griechischem Lokal entstammt 😃 😃

Ab am Strand und siehe da, nahezu ausnahmslos jeder hatte ein Bier in der Hand. No Risk no Fun, zurück in die Bar, Dosenbier holen. Der Strand war wirklich schön, jedoch nachdem wir die Füße kurz ins Wasser hielten wussten wir, zu viel Druck um wirklich schwimmen zu gehen. Wir entschlossen uns einige Fotos später das Dorf entlang zu laufen, hoch einen Berg und der Weg wurde belohnt.

Ich lasse nun außen vor das mir der Deckel vom Objektiv die rund 50 Meter hohe Wand vor Aufregung hinunter fiel und in der Mitte hängen blieb, welche ich aber dennoch noch schaffte zu holen. Wir kletterten den steilen, schmalen Pfad hinunter zu dem ziemlich einsamen, verlassenen Steinstrand.

Da sagte ich zu Patrick: Do mias ma eine, do moch ma glei is Video. (Anm. der Redaktion: Patrick hatte einer Kollegin versprochen, ein Video ans Puls4 Team zu schicken.) Optimistisch wurde die Wassertemperatur nochmals kontrolliert. Da es doch ziemlich kalt war, waren wir uns dann doch nicht ganz sicher, ob wir es durchziehen können. Umgezogen, nur die Badehose, die Sonnenbrille und ein Grinsen auf, so standen wir am Strand. Patrick stellte die Kamera mit dem Stativ auf. Plötzlich kamen 3 Mädels und fragten uns auf Englisch: Ihr wollt da wirklich reingehen? Wir schauen euch zu.

Somit gab es kein Zurück mehr. Wir mussten jetzt schwimmen gehen. Ein paar Minuten noch warten, aber sie gingen einfach nicht weiter. Also wurde die Kamera eingeschalten und Stellung bezogen. Und tatsächlich schafften wir es komplett ins Wasser, einmal unterzutauchen und wieder hinaus. 30 Sekunden dauerte der Spaß. Es war saukalt, aber das war es Wert. Man muss festhalten das Menschen meist nicht wegen Erfrierungen im kalten Wasser sterben, sondern wegen dem ertrinken. So fiel es auch uns wirklich schwer, normal zu atmen. Man schnappt immer mehr nach Luft, obwohl keine mehr reingeht. Kann gerne unter einer eiskalten Dusche erprobt werden. 😉

Wirklich war, raus aus dem Wasser und die rot-durchbluteten Körper wurden mit tiefstem Respekt belohnt. Schnell umgezogen hatten wir auch schon wieder die nächste Idee. Wir müssen ein Zeichen setzen. Welches Zeichen würde mehr passen als Beweis das wir da waren? Na klar, Fotos mit dem Oberloisdorf Wappen und einer Österreichfahne. So klettere Patrick ein Metallgerüst hoch, direkt am See, und befestigte die Flagge. Der Wind spielte mit uns, wie am Foto deutlich zu erkennen ist.

Abschließend machten wir uns auf den Weg zurück zum Strand bei unserem Hotel und klingten den Abend gemütlich aus. Bei der Kontrolle des Videos erkannten wir, wir schwammen aus dem Video hinaus, und waren nicht immer zu sehen. Hitzige Diskussionen ob es das Video ist, oder wir ein neues drehen sollten, entfachten. Wir entschieden uns den nächsten Tag abzuwarten und dann, je nach Laune und Wetter, zu entscheiden.
Der Hunger meldete sich wieder einmal zu Wort, also versuchten wir noch ein Wirtshaus zu finden. Es war 22:30 und der Ort ist ca. doppelt so groß wie Oberloisdorf, mit rund 2000 Einwohnern. 7 Restaurants und Gasthäuser sollte als laut Tripadvisor hier geben, jedes einzelne abgeklappert, keines war geöffnet. Möglicherweise weil die Hauptsaison hier erst ab Juni beginnt. Also suchten wir uns noch einen kleinen Supermarkt, kauften Wasser, ein Beugel (weil Brot, Semmeln usw. gibt es hier einfach nicht) und eine Stange Wurst. Wir wissen nicht wer oder was in der Wurst verarbeitet wurde, aber bei dem Hunger schmeckte sie. Wir nannten sie Eislwuascht (Eselwurst).

 

Am nächsten Tag, ohne zu wissen wie dieser Abend enden sollte, starteten wir gleich mal los, die Sonne, wieder am Strand, zu genießen. Kühler Wind frischte die erwärmte Haut auf, und lies uns auch weiter diskutieren ob wir nun nochmals schwimmen gehen sollten, oder nicht. Etwas später tranken wir Bier aus einer 1l Dose; hatte ich noch nie zuvor. Harte Russen trauten sich neben uns ins Wasser, und beide bekamen wir das Gefühl: lass es uns tun! Einen Nipp Wodka später starteten wir wieder zu diesem anderen, verlassenen Strand, und wirklich war, kein Mensch weit und breit. Auch der Wind wehte nicht so stark wie auf dem anderen Strand, so zogen wir uns direkt um, starteten die Kamera und nach 4 Versuchen, den Namen der Ortschaft richtig in die Kamera zu sagen, hatten wir wirklich den Mumm, nochmal in das kalte Wasser zu steigen!

 

 

Wieder raus, von Glücksgefühlen überschwemmt, schlugen wir ein und freuten uns über diesen Augenblick – das 2. Mal 😊. Wieder umgezogen und eine Dose Bier in der Hand tauchte eine Gestalt in der Ferne auf, die sich direkt auf uns zubewegte. Es war ein junger Bursche, der durch die Gegend zog. Ganz ohne Plan verließ er wieder mal mit nur wenig Geld sein zu Hause und schaffte es durch Auto stoppen zum Baikalsee. 5000km hatte er bereits hinter sich. Freundlich und mit sehr nettem Eindruck entgegnete uns dieser, und wir luden ihn ein, Bier mit uns zu trinken. Frierend und zitternd erzählte er von sich und wir von uns. Er meinte, er würde gerne einmal nach Europa reisen, allerdings hätte er dazu kein Geld und würde wahrscheinlich auch kein Visum bekommen. Auf die Frage, warum er kein Visum bekommt meinte er, Probleme mit der russischen Armee zu haben. Er hat nicht das Gefühl, dass er seinem Land etwas schuldet, da er ja seine Steuern bezahlt. Also wird er wohl ein Fahnenflüchtiger sein. Er erzählte uns auch noch von seiner Punkrockband und spielte uns ein paar Lieder vor. Eigentlich kann ich mit so einer Lebenseinstellung nicht unbedingt etwas anfangen, allerdings war er wirklich supernett und hatte interessante Geschichten und auch schon einiges erlebt in seinem jungen Leben. Wir luden ihn dann noch bei einem Straßenmarkt auf den bekannten Baikalfisch, Omul genannt, ein. Auch von uns wurde der Fisch verkostet. Eigentlich war er sehr gut, aber der Geruch blieb 2 Tage an den Fingern. Naja, da trifft wieder der Spruch zu: „Da beste Fisch is imma no a Schnitzl.“ Er verließ uns dann. Ein paar Umtrunke später quälte uns wieder der Hunger und es wurde beschlossen, noch ein Abendessen im Hotel-Restaurant einzunehmen. Eine folgenschwere Entscheidung. Wir bestellten uns Bier und Kotelette. Während dem Mahl kamen wir noch mit einem anderen Gast und dem Koch ins Gespräch. Der Koch konnte nur russisch, der Hotelgast übersetzte. Ein paar Bier später standen wir vorm Hotel, machten noch Fotos (mit unserer Flagge) und ich gab dem anderen Hotelgast noch Mozartkugeln und Mannerschnitten für seine kleine Tochter mit, die vorhin auch noch im Restaurant war, aber schon vorher mit der Mama schlafen ging. Der Hotelgast ging dann nach oben zu seiner Familie.

Wir wollten dann auch zu Bett gehen. Dachten wir zumindest.

Wie aus dem nichts tauchte ein weißer Geländewagen auf. Der Koch holte seine Nikon Kamera (affiliate link), sprang in den Wagen und deutete uns einzusteigen. „Foto, Foto“ sagte er und machte uns mit der Kamera klar, das wir fotografieren fahren würden. Ich wollte nicht. Patrick meinte nur, Scheiss die ned au, steign ma ei. Zur Erinnerung, wir hatten an dem Tag doch ein paar Bier und jeder ein paar „Shots“ Vodka. Wir waren also etwas angeheitert. Doch die Vernunft siegte….. Nicht! Wir stiegen ein. In dem Auto waren noch 2 andere Männer und der Koch. Sie fuhren mit uns, wir hatten keine Ahnung wohin. Plötzlich hielten wir an, 2 der drei steigen aus. Der Koch hatte einen Hund. Keine Ahnung woher, denn wir hatten unsere Rucksäcke in den Kofferraum gelegt und da war kein Hund. Muss wohl am Dach gesessen sein, oder so. Es war bereits Mitternacht und wir gingen mit zwei wildfremden, aber sehr netten, Russen in einen Wald. Immerhin, der zweite konnte englisch. Trotzdem war uns nicht ganz wohl dabei. Mit dem Hund anfreunden, damit er uns kennt falls die beiden ihn auf uns loslassen. Nach ein paar hundert Metern war ein 2 Meter hoher schmiedeisener Zaun mit Spitzen. Wir kletterten darüber. Der Zaun war die Eingrenzung einer Sternenwarte. Das war jedoch nicht das Ziel, denn an der gegenüberliegenden Seite kletterten wir wieder über den Zaun. Ok, auf den Zaun klettern um auf der anderen Seite hinunterzufallen beschreibt es wahrscheinlich besser. Die beiden gingen vor, redeten laut und lachten. Dann führten sie uns einen steilen Waldweg hinunter. Einige Ausrutscher später waren wir auch heil unten angekommen und wir waren an einem Steinstrand, wieder am Baikalsee. Wir sagten, dass wir Pause machen wollen, um ein paar Fotos machen zu können. Also baute Patrick das Stativ auf und schoss Fotos. Wunderschön war die Aussicht unter den Sternenhimmel, obwohl es Nacht war. Währenddessen überreichte mir der englischsprechende Russe einen Stein. Ich überlegte, ob es hier Wohl das gleiche bedeutet, wie in Sizilien der Todeskuss von Mafiamitgliedern. Zum Glück NICHT. Nach näherem Betrachten war der Stein aber besonders, er glitzerte und war sehr schön. Keine Ahnung wo er ihn in der Dunkelheit gefunden hatte. Höflicherweise steckte ich den Stein in meine Hosentasche und trage ihn nach wie vor bei mir. Wir gingen weiter. Ich machte mit den beiden einige Selfies, um der Polizei zu helfen falls ich tot in einem Rinsäu (Rinnsal) angespült werde. 🙂 (Youtube: „Da Hofa“ – Wolfgang Ambros, hier klicken)

10 Minuten später gingen wir zurück da Patrick seinen Objektdeckel verloren hatte. Gefunden wurde er in seiner Jackentasche… Nach weiteren 20 Minuten kamen wir an einen Ort der uns sehr bekannt vorkam. Es war der Strand, an dem wir baden waren. Hoch eine Steigung mit unzähligen betonierten Treppenstufen, stand auch der Geländewagen wieder da. Der dritte, welcher im Auto verweilte kam uns abholen und bringt uns heim. Dachten wir jedenfalls. Nach einer sehr schnellen und turbulenten Autofahrt hielten wir vor einem Gebäude. Nach dem Aussteigen waren deutlich die Logos der russischen Polizei an den Wänden zu sehen. Aber alles war dunkel? Der eine Russe hatte einen Schlüssel und sperrte auf. Offenbar, oder besser gesagt hoffentlich, war er ein Polizist. Die Stufen rauf und rein in einen Raum. Voll mit Schnaps. Es muss wohl der Pausenraum gewesen sein.. Wir setzten uns an die Bar und der eine holte eine Flasche Wodka. Nach weiteren 2 Wodkas an diesem Tag waren wir mehr als fertig, aber der eine meinte: We have to kill that Bottle. Da der „Polizist“ nichts trank, killten wir zu dritt die Flasche. Dann wurden wir endlich ins Hotel zurückgebracht. Beim Aussteigen gaben wir dem Koch noch 15 Euro (keine Ahnung warum Euro, wir hatten ja schließlich auch Rubel dabei), obwohl er nichts verlangte. Wir bedankten uns für die „Tour“ und gingen dann zu Bett. Einige Stunden und Nerven später als geplant. Dennoch, ein unvergesslicher Abend und sicherlich einer der eigenartigsten und nervenaufreibendsten die wir je hatten und haben werden. Und wir dachten, die Nacht in Ekaterinburg war schlimm 😉

 

Klopf Klopf ging es an der Tür. Ein kurzer Blick aufs Handy verriet uns das es 2 Uhr nachmittags war. Des is bestimmt die Putzfrau, sagte ich zu Manuel. Er sprang auf, öffnete die Tür und als ich meine Augen wieder öffnete standen 2 Russen in unserem Zimmer. Nicht an der Tür, auch nicht das Manuel sie reingebeten hätte, sondern direkt an meinem Bett. Nach gefühlten 10 Minuten Englisch hin, Russisch her verdeutlichte uns einer der Russen, siehe da, es war der Koch, mit „Mjam Mjam“, ob wir doch nicht essen wollen. Etwas unheimlich und wirklich nervtötend die Situation, und nein sagen konnten wir da nicht. Oder trauten uns nicht, keine Ahnung. Wir bestellten also wieder 2 Kotelette und reservierten uns einen Tisch eine Stunde später im Restaurant. Nach 12 Stunden durchschlafen bewegten wir dann unsere Kadaver hinunter zur Nahrungsaufnahme. Die Rezeptionistin grinste sich eins ab. Sie hatte uns wohl beim Heimkommen gesehen und beobachtet. o.O. Bier gab es an diesem Tag allerdings keines. Der erste Tag seit langem! Nach dem Essen legten wir uns nochmals ins Bett und schauten eine halbe Staffel von „The Big Bang Theory“. Gegen 7 am Abend wurden wir dann wieder etwas aktiv und gingen noch an den Strand direkt vorm Hotel, um ein paar Fotos zu machen. Der Regen hatte sich gelegt doch das Wetter war nach wie vor nicht sehr einladend, also war niemand sonst dort, wo doch noch die Tage zuvor die Hölle los war.

Manuel ging derweilen einkaufen und organisierte etwas Essbares, Snacks und Wasser. Was ich nicht erwartet hätte, er hatte KEIN Bier gekauft. Vorbei an der uns auslachenden Rezeptionisten (da war etwas im Busch) verputzen wir noch das zuvor gekaufte Geselchte und die Chips im Hotelzimmer. Das war es eigentlich für diesen Tag.

Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen, checkten aus (ja sie grinste immer noch), und begaben uns zum Busbahnhof. Rein in den zuvor gebuchten Bus. Leider war es der falsche, somit waren wir Schwarzfahrer. Er brachte uns aber zurück, ziemlich zügig und auch turbulent wie die Fahrt zuvor, nach Irkutsk. Eine Nacht noch da und am nächsten Morgen ging es dann auch schon los nach Ulan-Ude. 3. Klasse wollten wir die 7 stündige Fahrt ausprobieren, und wir landeten in einem Waggon, voll mit Rekruten. Alle schliefen, und irgendwie war die Atmosphäre in diesem Waggon, ohne Abteile, mit 57 Liegebetten weit besser als erwartet. Sogar angenehmer in einer eigenartigen Weise als in der 2. Klasse, im 4er Abteil.

Nun sind wir da und schreiben. Etwas verspätet, müde aber voller Enthusiasmus, Offenheit und zufriedenstellenden Gefühlen.

 

Das wars eigentlich. Nicht mehr und nicht weniger. Wir hoffen beide das es Spaß gemacht hat diese Zeilen zu lesen. Es war ein Abenteuer was wir in unserem Leben nicht vergessen werden, und schon überhaupt nicht missen wollen.

 

Liebe Grüße,

Die transsibs

 

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#M & #P

PS: Der Artikel wurde abwechselnd von uns geschrieben. Wir hoffen das die „Ich“ Form dennoch durch namentliche Nennungen nicht verwirrt.

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