Ekaterinburg, der „König“ und die Bauchgefühle

Station 2 – Ekaterinburg

Nach der doch recht durchwachsenen zweiten Nacht im Zug mit dem Schnarchweltmeister war die Ankunft in Yekaterinburg um 03:25 eine Qual. Hundemüde und ausgelaugt die Rucksäcke (affiliate link) gepackt und ausgestiegen. Am Bahnhof angekommen hatten wir einen sehr unsicheren Eindruck und fühlten uns verfolgt. Daher der Entschluss im Bahnhofscafe zu warten – und in der Tat folgten uns die Männer auch ins Cafe. Nach über einer Stunde entschieden sich die Männer dann zu gehen. Schnurstrax über den Bahnhofsparkplatz und die Straße und ab ins nächstgelegene Hotel war die Devise.

 

Hotel ist wahrscheinlich der falsche Ausdruck für das Zimmer, welches wir bekamen. Für 15€ die Nacht darf man wohl nicht mehr erwarten. Ein paar Stunden noch Schlaf und die Entdeckungstour der Stadt konnte beginnen. Vorbei an verschiedensten Monumenten und Stadtvierteln wurde uns schnell klar, dass die Stadt mit Moskau nicht zu vergleichen ist. Alte Autos, Marode Häuser in den Außengebieten und teils stark verschmutzte Plätze. Eher wie Ungarn vor 15 bis 20 Jahren.

Außerdem fühlt man sich hier strak beobachtet und verfolgt. Ein bisschen enttäuschend war, dass es hier eigentlich keine „einheimischen“ Wirtshäuser mehr gibt. Dafür ist alles zugepflastert mit McDonalds, BurgerKing und co. So schafften es auch wir ins T.G.I. Fridays, wo die Wodkapreise überraschend günstig sind. Danach ging es weiter zu diversen Sehenswürdigkeiten. Kirchen gibt es sehr viele. Und eigentlich alle verkaufen „Jesus-Sachen“ (Patricks Ausdruck für Rosenkränze und Weihwasser (affiliate link) :))

An was denkt man bei dem Namen „Frau Müller“, aufgedruckt auf einem Fass Bier?
An ein deutsches Bierlokal? Dachten wir auch, doch die Türsteher klärten uns auf, dass es sich um einen Nachtklub handelt. Da wir anständige Männer sind gingen wir natürlich nicht hinein und fragten die Türsteher nach dem nächstliegenden Bier. Möglicherweise ein Fehler? Sie nahmen uns mit in einen Keller, wo ein Wettbüro war. Jeder kannte jeden, alle Sprachen auf Russisch über uns und nur einer konnten englisch. Dieser fragte uns aus wo unsere Reise hingeht, wo wir wohnen und sehr persönliche Dinge. Aber es gab Gösser Bier! 😊 Mit einem schlechten Bauchgefühl wurden wir von einem trockenen Alkoholiker aus Tadschikistan mit mindestens 10 goldenen Zähnen im Mund aus dem Lokal begleitet. Eines ist sicher: MAFIA!

Beste Option zur Beruhigung: Wodka.

Eine Militärparade später (Ja sie feiern den Sieg sichtlich gerne) rief das Bett.

Nach einem langen, aber nervösen Schlaf ging es wieder weiter. Auch auf diesem Weg wurde uns mehrfach bange. Aber so wie starke Männer sind ließen wir uns den Spaß nicht nehmen und bewanderten auch noch die restlichen Teile der Stadt. Die Fußgängerzone wirkt sehr gepflegt, viele Statuen und Denkmäler stehen darin. Wie richtige Touris das so machen haben wir natürlich bei Jedem ein Foto gemacht. 17km war die Tagesroute. Weniger als in Moskau und auch nicht so anstrengend, da es ziemlich kalt war. Wie auch schon am Tag zuvor benötigten wir einige Schichten, um uns halbwegs warm zu halten.

Die Tagesration an Nahrung war ein Doublecheeseburger bei Mcdonalds und eine halbe Portion Pommes. Also sagten wir uns: T.G.I. Fridays. Doch aus dem Essen wurde nichts. Allerdings ergaben sich ein paar Bier und einige Stamperl Wodka. Mussten wir wahrscheinlich ausnutzen, denn die Bedienungen sind die gefühlt einzigen hier, welche englisch sprechen (Außer dem einen Typen aus dem Wettbüro 😝) und auch dazu noch supernett und immer gut drauf 😊

Die Heimreise war doch ziemlich heiter. Patrick meinte „Diese Richtung“ und ich meinte „Nein, diese Richtung geht’s heim“. Da er doch im Alter schon weiter Fortgeschritten ist als ich nahmen wir seine Richtung. Und? Es war die richtige! 😊 Auf dem Heimweg gabelten wir auch noch den „König“ auf. Keine Ahnung wo, keine Ahnung wann, und vor allem keine Ahnung warum! Aber das Foto beweist, dass es kein Traum war.

Am gestrigen Morgen war es dann doch etwas schwerer aus dem Bett zu kommen. Duschen, Packen und am Bahnhof. Im Zug angekommen kam dann die Erleichterung: Der neue Mitbewohner riecht doch deutlich besser als der alte. Auch die Zugbegleiterinnen sind zwar sehr streng, aber freundlich.

 

Fazit: Ekaterinburg, eine sehr zweiseitige und aus mehreren Hinsichten gefährlich Stadt 😉 Trotzdem war es einmalig hier und ich würde wieder in dieser Station aussteigen.

 

Jetzt noch ein paar Stunden im Zug, insgesammt rund 23 Stunden, bevor Nowosibirsk an der Reihe ist.

 

Bis bald.

 

#M

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