Moskau, 6 Zehen und der Schnarchweltmeister

Station 1 – MOCKBA (Moskau)

 

Am frühen Nachmittag vor Antritt unserer Reise feierten wir bei einem kleinen Abschiedsessen in der Schwechater Brauerei mit unseren Freundinnen. Viel Spaß, gutem Essen, ein paar Bier und Schnaps später also war es dann soweit und mit etwas trauriger Stimmung wurde am Flughafen Wien Abschied genommen. Ohne sich abzusprechen haben uns unsere Freundinnen noch jeden einen kleinen Brief mit großer Bedeutung überreicht.
Die Passkontrolle ging ruckzuck und so hatten wir noch ein paar Minuten um einen letzten österreichisches Hopfensaft zu trinken.

Der Flug mit S7 Airlines war ganz in Ordnung, bis auf die engen Sitze was für Manuel etwas nervig war, da er mit den Knien komplett am Sitz anstand. Man bekam sogar ein ganzes Sandwich, nicht nur ein halbes, welches auch noch schmeckte.

Einmal in Moskau DME angekommen dauerte die Visum Kontrolle etwas Lange und als wir gerade durch waren wurden die Koffer bereits vom Förderband genommen. Wir hatten aber noch Glück und konnten unseren Rucksack gerade noch rechtzeitig abholen.

Mit dem Aero Express Zug ging es dann ab nach Moskau – Pavletskaya, weiter mit der Ubahn Richtung Hotel. Die Ubahnen in Moskau sind größtenteils alt, aber vollkommen in Ordnung. Wovon sich aber die meisten Großstädte ein Stück abschneiden können ist die Kunst die in jeder Ubahnstation steckt. Nichts ist einfach, nichts ist viereckig oder geradlienig. Runde bögen aus massiven Stein lassen einen Staunen. Skulpturen, Statuen, Mosaike. Selbst von außen sehen einige Gebäude und Eingänge aus wie Museen oder sonstige historische Bauwerke.

Gut aber erledigt angekommen überraschte uns das Zimmer, zu einem solch günstigen Preis in einem Hotel nahe Stadtzentrum mit solcher Qualität.

Der ganze Dienstag war eigentlich für das Stadtzentrum, also alles rund um den Kreml. Ich denke es gibt 3 Sachen, die einem als erster auffallen, wenn man bei Tageslicht das Hotel verlässt.

  • Viele. Und rießige. Porsche, BMW und Mercedes SUVs aber auch Bentleys und Mercedes Maybach sind keine Seltenheit. Und nein, nicht die Standardausstattung. Ein Mercedes G muss mindestens von AMG getunt sein.
  • Gigantisch, einfach unbeschreiblich riesig und mächtig. Hoch, breit, lang, beeindruckend.
  • Kaum zu glauben aber wahr, die Straßen im Stadtzentrum aber auch außerhalb sind mindestens so sauber als die Straßen in Wien. Es liegt kein Müll herum, kein Papierl und nur sehr selten ein Zigarettenstummel.

 

Ich besuchte den Kreml und den roten Platz bereits zuvor, dennoch ist es immer eindrucksvoll, als wäre man das erste Mal dort. Die Größe, der Platz, die Impressionen und Gefühle sind einfach mit nichts anderem zu vergleichen als was ich sonst bisher in anderen Städten sah. Es gibt zu unserer Überraschung sehr wenig kleine Bars, einfach verstreut. Zumeist sind es Plätze oder Straßen mit einer Bar nach der nächsten, aber sehr wenige einzelne. Allerdings hatten wir Glück und fanden direkt vor dem roten Platz Bier für ca. 3€. Diese Bar besuchten wir 2x an diesem Tag 😊 Wir hatten ausgesprochen großes Glück mit dem Wetter, sehr warm und nur teilweise bewölkt.

Am Abend dann ging es ab in ein Russisch-Ukrainisches Lokal (Die Witze mit Russland und der Krim kommen da nur sehr mäßig an. 😃 ) mit ein paar Arbeitskollegen von mir. Bei „lokalen“ Spezialitäten, viel Bier und noch mehr Wodka amüsierten wir uns stundenlang, und lachten vor uns hin. Das interessante an Russen und Wodka ist, das Russen, so wie wir hörten, Wodka nicht mögen. Gestartet wird mit Bier, und während dem essen wird auf Wodka umgestellt. Allerdings ist Wodka kein Beigetränk, sondern vielmehr das Hauptgetränk, zu welches man ASDFASDFASDF, ein russisch-traditionelles Getränk aus Beeren trinkt. Einmal mit Wodka angefangen wird nicht gemischt, so soll man doch Kopfschmerzen und einen Kater vermeiden. Eines Vorweg: Diese Theorie wurde zumindest von uns NICHT bewiesen – der Kater lies am nächsten morgen nicht auf sich warten.
Kurz vor Mitternacht begleiteten wir die Kollegen zu der nahegelegenen Ubahnstation, da wir zu Fuß ins Hotel gehen konnten. Bevor wir uns verabschiedeten wurde noch über den Abend, aber auch über unser verrücktes Vorhaben mit der Transsibirischen Eisenbahn getratscht und diskutiert. Und wie sollte es auch anders sein, der bekannte Facebook Tag „meanwhile in Russia“ lies auch uns nicht aus, so kamen plötzlich ein Mann und 2 Damen in die Nähe von uns. Alle 3, fett (betrunken) wie die Russische Erde, konnten kaum noch gehen, es wurde aber heftig diskutiert. Während die eine mit ihrem blutigen Knie unter der Strumpfhose noch ihre Tasche auf den Boden warf, kam die andere zu uns. Ohne viel zu sagen zog sie ihre Schuhe und Socken aus, und beschwerte sich über 6 Zehen. Ein kurzes Grinsen, anschließend ein schnelles Nachzählen später, ja es waren 6 pro Fuß, war sie so wütend und traurig das ich bis jetzt nicht verstehe was sie von uns wollte. Ja, es gibt Menschen mit 6 Zehen, auch Menschen mit 3 Brustwarzen oder einem eingewachsenen Zwilling. Aber warum kommt sie zu uns und präsentiert uns ihre 6 Zehen, mitten in Moskau?

Wirklich verwundert machten wir uns auf den Weg heimwärts. Am nächsten Morgen, ein Geschmack im Mund als hätte sich eine Maus rasiert, mussten wir auch schon wieder packen. Es dauerte einige Zeit, und wir ließen auch ein paar unnütze Sachen im Hotel zurück. Wir wanderten über 20km mit rund 17kg am Rücken, pro Mann. Bezaubernde Architektur, grüne Parks und Plätze mit Tischfußball, Tischtennis, Basketball, Skate und anderen Sportanlagen. Boxen mit guter Musik überstrahlen die grünen Flächen dieser und man vergisst einen Moment lang das beschäftigte Leben der Einwohner in Moskau.


Abends trafen wir uns auf einen weiteren Spaziergang mit einer guten Freundin. Sie führte uns eine der Hauptstraßen entlang welche gestern für den Militärumzug zum Viktory Day gesperrt waren. Militär Fahrzeuge wie Panzer, Raketenwerfer (mit Interkontinentalraketen?) in grün und weiß. Zig Tonnen aus Stahl und Sprengstoff.

Beim Abendessen erzählte sie uns über ihre Arbeit, und ihren Arbeitsweg. 2 Stunden in eine Richtung. 4 Stunden pro Tag, um zu arbeiten. Ich kenne kaum jemanden der das sonst noch macht, außer einem Kollegen vom Vortag, ebenfalls aus Moskau.

 

Die Transsib

Ziemlich knapp fuhren wir abschließend zum Bahnhof, und nur durch ein paar Fetzen die ich durch meine geringen Slowenischkenntnisse verstand, fanden wir im Endeffekt den richtigen Bahnsteig.

Noch schnell am Supermarkt vorbei, die wohl per Gesetz nur bis 11 Uhr am Abend Wodka verkaufen dürfen, schafften wir es 5 Minuten vor Abfahrt den Zug zu betreten. Frauen mit strengen Blicken wiesen uns den Weg zu unserem Abteil, welches von einem freundlich aussehenden Mann betreut wird. Zur negativen Überraschung allerdings hat sich ein etwas kräftiger, und auch so riechender Russe eingebucht. Das nicht genug habe ich das Gefühl, er trainiert über Nacht für die mir unbekannte Schnarchweltmeisterschaft. Sein Schnupfen verstärkt sein schnarchen vorallem beim ausatmen. Ein pffffiiiiiiii rhrhrhrhrhrhrhrhhrhrhr pffffifiiiiiiiii rhrhrhrhrhrhrhrhrhrhrhr brachte mich, obwohl ich etwas verärgert war und noch bin, während der Nacht zum Lachen. Daher der Entschluss: Er trainiert für die Schnarchweltmeisterschaft 😊

 

Nun, mittlerweile sitzen wir rund 18 Stunden im Zug. Soweit alles gut. Beim Fenster raus passieren wir alle 70 km ein oder wenige Häuser, alle paar hundert Kilometer ein Dorf. Autos? Klein und alt. Architektur? Holz. Sauberkeit? Nein.
Die transsibirische Eisenbahn ist der Weg in eine andere Welt. Mehr werden wir erfahren wenn wir sie heute um 3:25 Uhr morgens, Lokalzeit das erste Mal verlassen.

 

Bis dahin, liebe Grüße!

 

#P

Leave a Comment

*