Sightseeing und hundemüde

Station 5 – Ulan-Ude und Iwolginsky

 

Wie bereits kurz erwähnt machten wir uns diesmal 3. Klasse für die rund 8 Stunden auf den Weg von Irkutsk nach Ulan-Ude. Die Zugfahrt sowie die anderen Fahrgäste, allesamt Rekruten, waren sehr angenehm und es gab, bis auf die kürzeren Betten, nichts zu beanstanden. Man muss daher sehr biegsam sein, wie dieses Foto zeigt.

Erstmal angekommen in Ulan-Ude gingen wir in das zuvor über Booking gebuchte Hotel (affiliate link, spare jetzt 15€ wenn du darüber buchst!) – ein ziemliches Luxuszimmer hatten wir uns wieder ausgesucht 😊 Müde und wirklich fertig begannen wir wieder die Wäsche zu waschen; es war ziemlich viel diesmal aber dennoch haben wir es geschafft.

Nach circa 2 Stunden wollten wir das Hotel verlassen und fragten an der Rezeption die 2 Damen, welche beide nur sehr gebrochenes Englisch sprechen, ob sie Empfehlungen hätten wo wir denn noch hingehen könnten.
Die russische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft habe ich noch nie von so vielen Menschen erlebt. Sie redeten auf uns ein, russisch, 2 Wörter auf Englisch, danach wieder russisch. An einem Moment rief die eine Dame eine Bekannte an, welche Deutsch sprechen konnte. So holten wir uns einige Informationen, und als wir uns auf den Weg machen wollten sagte die jüngere Dame, dass sie uns begleite und etwas zeige. Ohne Ahnung folgten wir ihr, und sie rief eine Freundin von ihr aus der Arbeit in einem nahegelegenen Büro, welche die englische Sprache gut beherrschte. Ebenfalls gab sie uns einige Informationen, vor allem für den nächsten Tag, und sogar ihre Telefonnummer, sollten wir in Schwierigkeiten stecken. Ich habe viel darüber nachgedacht und bin nicht schlau daraus geworden, ob mir je eine ähnliche Hilfsbereitschaft für soetwas, in solchem Ausmaß, entgegnet wurde.

So machten wir uns dann auf den Weg für eine Sightseeing-Tour, jedoch bemerkten wir ziemlich schnell das wir komplett falsch gekleidet waren. Es war eiskalt, und sehr windig. Da wir an diesem Tag noch nichts im Magen hatten, und auch keinen Plan wo es gutes Essen geben könnte, verschlug es uns in einen Subway – Sandwich Laden und verdrückten erstmal ein dick gefülltes Laibchen mit ein paar Bier dazu. Ich hatte bereits den Laptop im Rucksack – Blogpost war angesagt. So entschlossen wir uns dem schlechten Wetter ergeben, uns in eine Bar zu setzen und zu schreiben zu beginnen. Siehe da, ein Harat’s – das Lokal derselben Irish-Pub Kette in dem wir bereits in Irkutsk einen lustigen Abend verbracht hatten. Ohne zu zögern, oder zu kontrollieren schlürften wir ein Bier nach dem anderen, hatten Spaß beim Schreiben der bereits passierten Erlebnisse, doch plötzlich wurde es laut, sehr laut. Eine russische Band spielte ein Livekonzert in dieser Bar, und obwohl wir einen „Schreib-Run“ hatten, konnten wir uns einfach nicht mehr konzentrieren. Ja selbst wohltuende Kräuterliköre konnten den (Gehör)Rauschpegel nicht senken uns so hatten wir aber ein richtiges brennen in der Brust als wir die Rechnung bekamen. Sie war hoch.. Es war ziemlich gut gefüllt, und Leute tranken als würde es kein Morgen geben. Daher ist es mir unbeschreiblich, dass sich ein normaler Russe, der in Ulan-Ude arbeitet, sich so einen Abend einfach so leisten will.
Nebenbei Bemerkt, viele der Straßen in Ulan-Ude sind nicht asphaltiert, tiefe Löcher inmitten der Fahrspuren und ein ziemlich niedriger Auto-standard. Ebenso schienen die meisten Wohngebäude nicht eben erst gebaut oder renoviert worden zu sein.
Unsere einzige Erklärung muss sein, wie wir eigentlich auch in Irkutsk in zumindest einem Lokal vermutet hatten, unterschiedliche Preise für Russen zu Ausländern. Knapp 7€ ein normales Bier, und 4€ ein Jägermeister.

Etwas Leid ums Geld gingen wir über die Straße in unser Hotel, und wie es der Teufel so will ist laut Tripadvisor das beste Restaurant der Stadt gleich im Erdgeschoss (1st floor). Ja klar es kann eigentlich nicht teurer sein, also gingen wir rein, kontrollierten den Preis und es war wirklich etwas günstiger. Etwas unmotiviert dachten wir erst wir würden den Beitrag dennoch fertigstellen. Als aber dann unser Bier ankam, begann auch schon wieder die Musik zu spielen, und zig Leute bewegten sich auf die Tanzfläche des noblen Restaurants. Es war eine super Kombination und hatte ich in so einer Form noch nicht erlebt. Tja, bei dieser Lautstärke konnten wir dann auch nicht mehr arbeiten, und verschoben die Fertigstellung auf den darauffolgenden Tag.

Der nächste Tag begann verhältnismäßig früh, ich denke um 11:00 Uhr haben wir das Hotel verlassen. Die Rezeptionisten rief uns ein Taxi, und wir machten uns auf den Weg Richtung Iwolginsky.
Eine sehr Interessante Fahrt. Die Landschaft hat viele Gesichter, teilweise hohe Hügel, weite Wiesen aber auch hohe Berge bilden einen Kreis um die kleinen Ortschaften am Weg zu dem Buddhistischem Zentrum Russlands. Die meisten Straßen von der Landstraße weg, die wir ca. 30km entlang fuhren, waren Sandstraßen. Alte Fahrzeuge, Holzhäuser und freilaufende Kühe. Streunende Hund gibt es zu tausenden, sind aber sehr zutraulich und ruhig.

700Rubel kostete uns die Fahrt, also circa 11,50€, und war wirklich flott.

Ich war noch nie in China oder der Mongolei, aber ich kann mir vorstellen das traditionelle oder religiöse Bauten genau so aussehen müssen. Ein großes Holztor, verriegelbar, öffnet den Weg in das Zentrum, welches wie eine kleine Siedlung aussieht und rundum eingezäunt ist. Erst mal drinnen ist man etwas verloren. Keine Wegweiser, keine Beschilderung, keine Informationen. Wir beobachteten aber einige andere. Vielleicht Einheimische, oder regelmäßige Pilger, denn die wussten genau was zu tun ist. Im Eiltempo liefen sie die Wege entlang, und drehten so… verschiedenste Spiralen ganz schnell mit ihren Händen. Ohne genau zu wissen, warum man das tut (Ich denke eine drehung ist eine Art Gebet), sind wir von positiven Absichten ausgegangen und folgten den wilden Dreherinnen. Nicht in diesem Tempo, aber dennoch denke ich drehten wir an nahezu all diesen Spindeln.

Das Gelände ist wirklich weitläufig, einige Tempel und hunderte dieser Spindeln. In die Bauten darf man zwar reingehen, aber keine Fotos machen. Ein paar wenige haben wir dennoch geschafft zu machen 😉

Zum Pause machen gibt es hier genau ein, nun ja nennen wir es mal so, Cafe. Da es leider kein Cola oder sonstige bekannte Limos mehr gab (hat es wahrscheinlich auch noch nie gegeben, aber drinnen stand zumindest ein Kühlschrank mit CocaCola Logo) kauften wir uns ein mongolisches Getränk. Vermutlich das süßeste Getränk, was wir je in unserem Leben getrunken haben. Gefühlte 100g Zucker pro Schluck wurden wir beide ziemlich benebelt im Kopf. Vermutlich ist deswegen auf dem Etikett ein Mann abgebildet, welcher sich grinsend über einen Strohballen biegt und das Getränk schlürft. Wie zwei Eichhörnchen auf Kokain beendet wir unsere Runde durch das Dorf.

Zurück ging es dann mit dem Minibus. In der Bushaltestelle angekommen kam ein ca. 40 Jähriger Mann und fragte in der Runde der wartenden Leute, ob ihm jemand eine Zigarette geben könnte.  Jemand gab ihm eine. Er schaute diese schon ziemlich komisch an. Nach dem ersten Zug bekam er plötzlich einen Hustenafall. Er hustete und der ganze Rauch kam aus seiner Lunge, wie aus einer alten Dampflok. Wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen 😃 😃 Dann reichte er die Zigarette seinem Freund und auch dieser musste Husten. Wahrscheinlich hatten sie mit dieser Zigarette gerade erst zu Rauchen begonnen. Kann eigentlich gar nicht anders sein. Lachend flüchteten wir in den eben einfahrenden Minibus. Leider stiegen die beiden auch ein und wir mussten weiterlachen. Ich denke Sie merkten dass wir über Sie lachten, sagten jedoch nichts. 😃 Die Heimfahrt mit dem Bus kostete ca. 1,10€ pro Person.

Zurück in Ulan-Ude machten wir noch ein wenig Sightseeing und fanden auch wieder einmal eine Fußgängerzone. In Ulan-Ude steht übrigens mit 7,7m Höhe und 42 Tonnen Gewicht die größte Portraitbüste der Welt. Abgebildet wurde Lenin. Und am Foto noch dazu, 2 Oberloisdorfer 🙂

 

Nach einem kleinen Snack zwischendurch machten wir uns langsam zurück ins Hotel. Im Restaurant direkt im Hotel ließen wir den Abend bei russischen Speisen und ein paar Bier noch ausklingen. Es wurde nicht zu spät, da uns ja am nächsten Tag gegen 14:00 die mit 63 Stunden längste Zugfahrt bevorstand. Also wollten wir nach Möglichkeit ausgeruht sein.

Am nächsten Morgen noch die körperliche Hygiene vollzogen, gepackt und ausgecheckt. Zu Fuß am Bahnhof, wo hunderte Leute warteten. Leider gab es hier keine LED-Anzeige, mit den Zugabfahrten und Bahnsteigen. Zwar ständig Durchsagen, allerdings auf Russisch. Also fragten wir nach, doch auch die Dame an der Info wusste nicht, an welchem Steig der Zug einfahren wird. Erst eine Minute bevor er kam wurden wir informiert und wir gingen zum Zug. Dass war übrigens auch das erste Mal, dass sich der Zug verspätete. Ca. 10 Minuten. Bis jetzt fuhren diese auf die Minute pünktlichst ab und ein.

Im Abteil angekommen erstmal die Erleichterung: Unser Fahrgast stinkt nicht, und verhält sich ruhig. Eigentlich der angenehmste den wir bis jetzt hatten.

Und so ging die Reise weiter nach Wladiwostok, dem Ziel unseres Trips.

 

Liebe Grüße,

#M & #P

PS: Der Artikel wurde abwechselnd von uns geschrieben. Wir hoffen das die „Ich“ Form dennoch durch namentliche Nennungen nicht verwirrt.

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